Interviewer Roland Garber im Gespräch mit Rene Haselbacher vor dem Start der Verfolgungs-Staatsmeisterschaft:

Rene, was hat dich dazu bewogen bei der Verfolgungs-Staatsmeisterschaft teil zu nehmen?
Ich bin über 10 Jahre nicht mehr auf der Bahn gefahren. Jedes Mal, wenn ich beim trainieren fahren, in der Nähe von der Radrennbahn vorbei fuhr, hat es mich immer wieder gereizt den Sprung auf die Holzlatten zu wagen. Heuer habe ich ein neues Punkte-Bahnrad bekommen und bin auch schon einige Male hinter dem Derny(motorisiertes Gefährt) gefahren. Das hat sehr viel Spass gemacht! Die schnelle Trittfrequenz, die Kurven, die starre Übersetzung, ....
Naja, und so dachte ich mir, ich probier es einfach mal aus. Einfach aus Jux und Tollerei!

Warum bist du nicht schon letztes Jahr bei den Meisterschaften gestartet?
Das ging nicht, der Termin war kurz vor Paris-Tours. Wenn ich bei den Meisterschaften gestürzt wäre, und das wäre auch sehr leicht möglich gewesen, weil ich mir mit dem steuern noch nicht so sicher war, dann hätte es vereinsmäßig nicht gut ausgesehen!

Wie ich weiß, hältst du den österr. 3000m-Juniorenrekord auf der Bahn mit 3:25,48 Min. War dies der Grund warum du nur in der Verfolgung an den Start gegangen bist?
Beim gestrigen 1000m Zeitfahren hätte ich dir auch eine Medaille zugeschrieben!

Weißt du Roland, wenn man 10 Jahre lang Straße fährt und so wie ich in den letzten Jahren als Profi auch schwere Rennen und Rundfahrten bestreiten muss und dabei harte Gänge tritt, dann verliert man die Schnelligkeit! Das habe ich gleich bei meinem ersten Trainingsauftritt gemerkt. Ich hatte keinen runder Tritt, die Beine taten weh, da du eine andere Position am Bahnrad einnehmen musst als auf dem Straßenrad. Ja, auch die Kurbeln sind kürzer!
Für die 1000m hatte ich nicht die Schnelligkeit od die Spritzigkeit, daher blieb ich bei der mir etwas mehr entgegen kommenden 4000m Einzelverfolgung.

Wie sieht die Zukunft aus? Könntest du dir vorstellen als Verfolger bei den Olympischen Spielen zu starten?
.......naja, theoretisch gehen würde es schon. Müsste aber dafür zuerst die Qulifikationen schaffen. Von der zeitlichen Belastung würde ich da kein Problem sehen!
Man sieht ja, und das gefällt mir selbst sehr, der Australier Stuard O´Grady fahrt auch die ganze Straßensaison und schafft auch mühelos unter dem Jahr den Sprung auf die Bahn. Und das mit großem Erfolg wie man in Athen gesehen hat. Er ist Olympiasieger!

Mir gefällt es sehr, dass ein Straßenprofi den Weg auf die Bahn findet. Es wäre zu wünschen, dass noch Einige mehr diesen Weg finden würden. Mit deiner Anwesenheit wertest du diese Meisterschaft mit Sicherheit auf. Wird man dich vielleicht nächstes Jahr wieder bei den Österr. Meisterschaften am Start sehen?
Nein!

Rene ich danke dir für das kurze Gespräch. Ich wünsche dir alles Gute für das Finale.

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Interview mit Clemens Selzer, 1 Tag nach seinem 2. Staatsmeistertitel:

Clemens, zunächst möchte ich dir noch einmal für deine beiden Titeln gratulieren. Du bist Doppel-Staatsmeister(Sprint u. 1000m). Hast du damit vor den Meisterschaften gerechnet?
Nicht wirklich gerechnet, aber erhofft!

Und welcher der beiden Titeln zählt für dich mehr?
Eigentlich beide gleich, aber über den Sprinttitel habe ich mich besonders gefreut.
Erstens, weil ich gegen dich, Roland, gewonnen habe
(schmunzelnd) - Seien wir uns doch ehrlich, wer würde dich nicht gerne mal besiegen woll´n? So Vielen gabst du ja noch nicht die Chance dazu! Und zweitens, weil es überhaupt mein 1. Staatsmeistertitel war!

Vor 2 Jahren warst du noch ein sehr junges ungestümes Rennpferd, das es nicht erwarten konnte einen Meistertitel zu holen. Du warst mit deiner Silbermedaille schon knapp dran, bist aber an mir gescheitert. Damals sagte ich zu dir, dass du noch nicht reif für einen Titel wärst. Kannst du dich erinnern?
kopfnickend:
ja!
Weiters sagte ich auch zu dir, dass du noch Geduld benötigst, dass aber deine Zeit noch kommen würde!
wieder kopfnickend mir zustimmend:
ja!

Nach deinem Sieg im Sprint, hast du mit dem 2. Titel gerechnet?
Nach dem Sprint war ich sehr motiviert und ich fühlte mich einfach stark. Der Sprinttitel hat mich beflügelt. Daher konnte ich zu diesem Zeitpunkt schon etwas mehr mit einem 2. Titel rechnen, als noch vor den Meisterschaften, wo ich es mir "nur" erhofft hatte.

Hast du mit dieser hervorragenden Zeit gerechnet?
Eigentlich schon. Eventuell sogar mit einer Zeit unter 1:06 Min.!
Aber auch wenn ich es nicht ganz geschafft habe, ich bin trotzdem sehr zufrieden damit, weil es meine pers. Bestleistung ist!

Wie du siehst, hast du jetzt nicht nur den Anschluss, sondern sogar den Weg bis ganz zur nationalen Spitze geschafft. Ich beobachte meine Gegner od. Kontrahenten sehr genau. Bei dir ist mir heuer aufgefallen, dass du von Anfang des Jahres, bis zur Meisterschaft, eine kontinuierliche Formsteigerung aufweisen und zum richtigen Zeitpunkt deine Höchstform erreichen konntest. Das kommt nicht von ungefähr. Man sieht, dass hinter dir ein gutes Team steht.
Ja das stimmt. Bis zu meiner Erkrankung vor mehr als eineinhalb Jahren, wurde ich von Bundestrainer Jiri Miksik trainiert, da er mich aber nach meiner Erkrankung aus dem Kader schmiss, worauf ich die Zusammenarbeit mit ihm beendete, trainierte mich ab diesem Zeitpunktmich Sascha Cirnfuß, ein Ex-Radrennfahrer, der sein Handwerk, wie man sieht, versteht.

Wie sieht deine Zukunft aus? Wirst du dich auf Sprint und/oder 1000m spezialisieren?
Nein, ganz und gar nicht! Eigentlich habe ich für die längeren Distanzen trainiert, Scratch, Punktefahren und Madison.
Sprint und die 1000m werde ich in Zukunft nur so mitnehmen!

Clemens, es freut mich wirklich, dass du 2 Titeln gewonnen hast und wieder back on track bist. Ich sage es deswegen, weil du ein junger Fahrer bist, aber vor allem wie ich meine auch reifer geworden bist. Reif für mehr Titeln! Ich bin überzeugt, dass viel in dir steckt und dass noch viele Goldmedaillen in Zukunft hinzu kommen werden. Sei mir bitte nicht böse, aber ich selbst werde es noch versuchen zu verhindern.
Ich gratuliere dir noch einmal für deine beiden Titeln, für das nette Interview und wünsche dir alles Gute für die Zukunft.

Danke Roland, dir auch!